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7. DIE NÖRDLICHSTE POLARSTATION DER WELT – BUCHTA TICHAJA

01

1926 Die Idee

In- und ausländische Prominenz hatte sich im November 1926 im Preußischen Landtag zu Berlin eingefunden. Auf der ersten Generalversammlung der Aeroarctic, einer Gesellschaft, die die Erkundung der Arktis mit Luftfahrzeugen zum Ziel hatte, wurden am letzten Tag die Forschungsziele abgesteckt. Sowjetische Vertreter brachten den Vorschlag ein, auf Franz-Josef-Land eine gemeinsam zu finanzierende und zu betreibende  Polarstation zu errichten. Der Vorschlag wurde angenommen, die Vorbereitungen begannen.

Deckblatt des Protokolls der Generalversammlung der Aeroarctic 1926
Deckblatt des Protokolls der Generalversammlung der Aeroarctic 1926
Auszug aus dem Protokoll der Generalversammlung der Aeroarctic 1926
Auszug aus dem Protokoll der Generalversammlung der Aeroarctic 1926
02

1929 Eisbrecher Sedow auf dem Weg zum Archipel

Der Eisbrecher Georgi Sedow hatte Archangelsk am 21. Juli 1929 verlassen und dampft gen Norden.

Seinen Namen verdankte er dem ersten Russen, der versucht hatte, den Nordpol zu erreichen. Ein Jahr zuvor war der Eisbrecher mit anderen an der Suche nach der verunglückten Nobile-Expedition mit dem Luftschiff Italia beteiligt. An Bord befindet sich eine Gruppe von sieben Männern, die erstmalig den Polarwinter auf der nördlichsten Polarstation der Welt verbringen werden.

Der Eisbrecher Sedow
Der Eisbrecher Sedow
Die erste Überwinterergruppe der neuen Polarstation Buchta Tichaja
Die erste Überwinterergruppe der neuen Polarstation Buchta Tichaja

Aber diese muss erst noch errichtet werden. Und so fahren auch Zimmerleute aus Archangelsk mit in die Arktis. Acht Tage kämpft sich der Eisbrecher durch Stürme und schweres Eis:

Prawda Sewera 25. Juli 1929 – Unser Spezialkorrespondent vom Eisbrecher Sedow
23. Juli
Gestern kämpfte die ‚Sedow‘ mit einem heftigen Sturm. Die Meereswellen erreichten das Deck, Wasser drang in den Laderaum ein, die Betten der Reisenden waren durchnässt. Die Besatzung pumpte das Wasser ab. Besonders hart traf es die Rinder und Hunde, die später in Kabinen untergebracht wurden. Der Sturm verlangsamte die Fahrt des Eisbrecher erheblich. Trotz Regen und Wind filmte der Kameramann von Sovkino seltene Aufnahmen des Eisbrechers im Kampf gegen den Sturm, während viele unter Seekrankheit litten.

Pravda Sewera 26. Juli 1929 – Unser Spezialkorrespondent vom Eisbrecher Sedow
Am 24. Juli um 21.00 Uhr traf der Eisbrecher ‚Sedow‘ bei 77 Grad 20 Minuten nördlicher Breite, entlang des 45 Längengrades auf schweres Eis. Er befand sich also etwas nördlich von Kap Zhelaniya. Die Eisfeldern sind grob gebrochen, höckerig. Eisstärke beträgt 7, die Lufttemperatur 1 Grad unter Null Celsius. Nordwind Stärke 4.

Pravda Sewera 28. Juli 1929 – Unser Spezialkorrespondent vom Eisbrecher Sedow
26. Juli, 8 Uhr
Um drei Uhr morgens verschwanden die Eisschollen. Die Mannschaft begrüßte das Verschwinden des Eises mit Gesang. Um acht machten wir uns auf den Weg und fuhren bis halb elf. Der Eisbrecher musste ständig umkehren und die Eisfestung mit erhöhter Kraft durchbrechen. In zweieinhalb Stunden rückten wir um fünf Eisbrecherlängen vor. Wir haben mehr als ein Dutzend Eisbären und Walrosse gesehen. Ein Schneesturm verdunkelte den Horizont und zwang uns, bei 78 Grad für längere Zeit anzuhalten. Der Schneesturm hat die Antenne zerstört. Wir konnten sie wieder reparieren. Uns bleibt nur ein Tag Zeit, um mit sauberem Wasser bis Franz-Josef-Land zu gelangen, aber wer weiß schon, wie lange wir in dieser eisigen, magischen Wüste stecken werden.

27. Juli 1929, 2 Uhr
Um 21 Uhr kam es unter dem Einfluss von Südwind zu einer Eisbewegung, in deren Folge die ‚Sedow‘ freikam. Wir fahren in südöstlicher Richtung, um eine geeignete Route zu finden.

27. Juli, 4 Uhr
‚Sedow‘ bricht mit starker Anstrengung zwei Meter dickes Eis. Das Brechen macht ein Geräusch, das entfernt an ein Erdbeben erinnert. Auf der Suche nach einem geeigneten Weg fahren wir in südöstlicher Richtung und halten gelegentlich an. Die Koordinaten sind 77 Grad 43 nördlicher Breite und 49 Grad 40 östlicher Länge. Nach Aussage von Genosse Schmidt können wir noch acht Tage nach der Weg durchs Eis suchen, ohne die Fristen zu verletzen. Wissenschaftler bereiten Geräte zum Fang von Seesternen, Kraken und anderen Meeresbewohnern vor.

Schließlich ankert die Mannschaft am Kap Flora, dem Anlaufpunkt so vieler Expeditionen vor ihnen. Man findet einige ihrer Überreste – Frederic Jackson (1894–1897) und Fiala-Ziegler (1904–1905). Ebenso fand sich ein gut erhaltenes Boot der italienischen Expedition des Herzogs der Abruzzen von 1899 und ein Gedenkstein, den man seinen tödlich verunglückten Expeditionsmitgliedern gesetzt hatte.

Von der russischen Flagge, die 1901 von Admiral Stepan Makarow gehisst wurde, fehlte jede Spur. Stattdessen haben wir eine Blechfahne gehisst.

Auf Anraten Wladimir Wieses steuerte die Georgi Sedow die Hooker-Insel an. Wladimir Wiese war mittlerweile ein hochangesehener Polarwissenschaftler. Er kannte diesen Flecken Erde von seiner erzwungenen Überwinterung 1913–1914 während der Expedition unter Leitung Georgi Sedows.

Auf dem Weg dorthin besserte sich das Wetter. Im Angesicht des majestätischen Panoramas, der Gletscher, des strahlenden Himmels, der sich im Britischen Kanal spiegelte, rief der mitreisende Arzt aus:

Die Mannschaft der Sedow findet am Kap Flora Überreste vorangegangener Expeditionen
Die Mannschaft der Sedow findet am Kap Flora Überreste vorangegangener Expeditionen
Setzen der sowjetischen Flagge am Kap Flora
Setzen der sowjetischen Flagge am Kap Flora

Hier, und nicht auf der Krim und im Kaukasus, muss man Sanatorien und Erholungsheime bauen. Was könnte wohl besser sein? Diese kristallklare Luft, die ursprüngliche Natur und echte, immerwährende Ruhe!

Der Arzt der Expedition Dr. Belkin
Der Arzt der Expedition Dr. Belkin
Franz-Josef-Land
Franz-Josef-Land
03

1929 Die ersten Funksignale 

Die Georgi Sedow ankerte zwischen Eisschollen in der Stillen Bucht so nahe als möglich am Ufer. Tag und Nacht fasste Jeder, der auf dem Schiff keinen Dienst hatte, beim Entladen der Baumaterialien und Ausrüstung zu. Hier kam es zu einem Vorfall, der beinahe die ganze Expedition in Frage stellte. Die Eismassen, die zweimal am Tag mit der Flut an Land geschoben wurden, drückten am 6. August das Schiff auf die Küstenriffe. Die Georgi Sedow saß fest. Keine Ankerwinde konnte das Schiff auch nur um einen Millimeter bewegen. Und die nächsten anstürmenden Eismassen hätten dem Schiff endgültig den Todesstoß versetzt.

Da traf Kapitän Woronin eine Entscheidung: Das komplette Heck musste entlastet werden, die gesamte Fracht, mehr als 1.000 Tonnen, in die Bugladeräume gebracht werden. Eine fast unmögliche Aufgabe! Alle, vom Professor bis zum Maschinisten, vom Koch bis zum Expeditionsleiter arbeiteten in fieberhafter Anstrengung. 32 Stunden saß die Georgi Sedow auf den Felsen, dann glitt sie langsam ins Meer.

Die Archangelsker Zimmerleute machten sich an die Arbeit. Die Unterkunft für die Überwinterer wuchs.

Otto J. Schmidt, der Leiter der Expedition, beschloss indessen, bis zum Abschluss der Bauarbeiten mit der Georgi Sedow nach Norden zu fahren, um weitere Erkenntnisse über Franz-Josef-Land zu gewinnen. Während dieser Fahrt konnte die Karte von Franz-Josef-Land korrigiert werden – König-Oscar-Land existierte nicht.

Kapitän Wladimir I. Woronin
Kapitän Wladimir I. Woronin
Die Leiter der Expedition vor der im Bau befindlichen Station (v. l. Rudolf Samoilowitsch, Otto Schmidt, Wladimir Wiese, Wladimir Woronin)
Die Leiter der Expedition vor der im Bau befindlichen Station (v. l. Rudolf Samoilowitsch, Otto Schmidt, Wladimir Wiese, Wladimir Woronin)
Der Weg der Sedow im Archipel Franz-Josef-Land
Der Weg der Sedow im Archipel Franz-Josef-Land

Bei der Rückkehr waren die Bauarbeiten abgeschlossen, die Funkstation einsatzbereit. Am 30. August 1929 sendete der Funker Ernst Krenkel den ersten Funkspruch in den Äther:

An alle, an alle, an alle. Hört, hört! Hier spricht Franz-Josef-Land!

Buchta Tichaja, die nördlichste Polarstation der Welt, hatte ihre Arbeit aufgenommen, exakt auf den Tag genau 56 Jahre später, nachdem die österreichisch-ungarische Expedition unter Julius Payer und Carl Weyprecht 1873 den Archipel entdeckt hatten. 

04

1929 – 1930 Arktis ruft Antarktis

Die ersten Überwinterer auf Franz-Josef-Land bereiteten sich auf ihr Neujahrsfest in der Polarnacht vor. Tag und Nacht hatten sie ihre Aufgaben gemeistert, drei Mal täglich die meteorologischen Daten erfasst, ausgewertet und unverzüglich ans Festland gefunkt.

Das Haus wurde gründlich gesäubert, man schickte Glückwunschtelegramme in die Heimat. Telegramme von zu Hause trafen ein. Auf besondere Begeisterung stieß die Antwort von Fridtjof Nansen:

Herzlichen Dank. Ich beglückwünsche Sie und sende meine besten Wünsche. 

Verschneiter Hütteneingang auf der Polarstation
Verschneiter Hütteneingang auf der Polarstation

Alle tranken auf Nansens Gesundheit. Vom Grammophon erklangen Griegs „Norwegische Tänze“. 

Unter dem vom großen Land mitgebrachten Kulturzubehör befand sich ein richtiges Grammophon mit riesigem, grün und rot bemaltem Trichter. Zum Grammophon gehörte ein Sortiment von Platten, das man heute wohl kaum anders als Großmütterchens Strauß bezeichnen würde.

Die Überwinterer im Inneren der Hütte
Die Überwinterer im Inneren der Hütte

Der 12. Januar 1930 sollte für den 26-jährigen Funker der Polarstation Ernst Krenkel unvergesslich werden.

Nachdem die Wetterdaten – wie damals noch üblich per Kurzwelle – nach Nowaja Semlja und von dort zum Festland gefunkt waren, blieb Krenkel wie oft noch ein wenig vor dem Funkgerät sitzen.

Er mochte es „noch ein wenig durch den Äther zu streifen“, nach Funkamateuren in Europa zu suchen.

Der Polarfunker Ernst T. Krenkel
Der Polarfunker Ernst T. Krenkel

Die Sender der Funkamateure pfiffen, gluckerten oder röchelten einfach in allen Tonarten. Gewöhnlich schwirrten sie auf mein Rufsignal wie Fliegen zum Honig herbei, war es doch das einzige professionelle Signal in diesem Kunterbunt der Amateure. – ‚CQ, CQ, CQ! (was in der internationalen Funksprache ‚An alle! An alle!‘ bedeutete) – hier RPX, Hier – RPX, Hier- RPX!

Minutenlanges Klopfen mit der Funktaste. Nichts. Stille im Äther. 

Man mußte aber den Wellenbereich ‚abtasten‘., und ich begann mit dem Empfänger zu suchen. Übrigens war es ein selbstgebastelter Drei-Röhren-Empfänger. – Nach einiger Zeit kam ein Ruf. Mich regte das zunächst nicht auf. Verbindungen mit Amateuren waren mir etwas Gewohntes. Doch in diesem Fall hörte sich die Arbeit mit der Taste nicht wie die eines Amateurs an. – Die Signale waren nicht allzu laut, aber immer noch deutlich zu hören. 

Nach mehrfachen Versuchen konnte Ernst das Rufzeichen entziffern: WFA. Wiederholtes Rufen – doch keine Antwort, Er überlegte: Ein Amateur konnte es nicht sein, deren Rufzeichen enthält immer eine Zahl. Dann musste es eine Station auf dem Festland sein, denn Funkstationen auf Schiffen hatten vierstellige Rufzeichen. Und anhand des Anfangsbuchstaben W konnte er definieren, dass es sich um einen Amerikaner handeln musste.

Ich funkte in Englisch: ‚Hier ist die sowjetische Polarstation in der Tichaja-Bucht des Franz-Joseph-Landes. – Wer sind Sie und wo ist Ihr Standort?‘ 

Die Station antwortete ohne Verzug.

‚Werter Mister. Wir können uns gegenseitig zur Aufstellung eines neuen Weltrekords im Langstrecken-Funkverkehr beglückwünschen. Sie stehen mit der Funkstation der amerikanischen Antarktisexpedition Admiral Byrds in Verbindung. Mein Glückwunsch!‘ 

Nun wurden Informationen in einem fantastischen Sprachengewirr zwischen deutsch, englisch, russisch und französisch ausgetauscht. In der Antarktis, im „Junggesellenlager“ mit 42 Mann am Ross-Schelfeis herrschte Sommer, Polartag, – 2° Celsius und Nebel. Richard Byrd hatte am 28./29. November 1929 den Südpol überflogen.

Richard E. Byrd in Fliegerbekleidung
Richard E. Byrd in Fliegerbekleidung

Auf Buchta Tichaja diskutierte man heiß. Einfach unglaublich. Oft hätten sie keine Verbindung zum nahen Matotschkin Schar auf Nowaja Semlja – und jetzt sollte sie jemand über 20.000 km Entfernung anfunken? Grund genug, auf diese fantastische Leistung des Weitfunk-Rekordes anzustoßen.

05

1930 – 1931 Eine Frau trifft einen Zeppelin

Sommer 1930. Wiederum erreicht der Eisbrecher Georgi Sedow die Polarstation. Wieder steht die Expedition unter dem bewährten Kommando von Kapitän Woronin, Otto Schmidt und der wissenschaftlichen Leitung Wladimir Wieses und Rudolf Samoilowitsch. Die sieben Überwinterer von 1929–1930 sollten abgeholt werden. Unter den elf Neuen für die Station gab es eine außerordentliche Veränderung. Mit ihnen kam eine Frau, die Biologin Nina Demme. Sie würde im kommenden Jahr als eine der ersten Wissenschaftlerinnen der Welt in der Arktis überwintern.

Nina Demme
Nina Demme

Als der Eisbrecher die Station wieder verlässt, unterstreicht Otto Schmidt, die Welt würde nun besonders auf ihre Arbeit schauen. Die Bolschewiken würden erste Erfahrungen sammeln, indem eine Frau für eine beschwerliche Überwinterung zurück gelassen würde. Mittelgroß, mit Zöpfen über der Schulter, in Lederjacke und groben Stiefeln machte sie offensichtlich auch auf den deutschen Journalisten Friedrich Sieburg einen tiefen Eindruck, als er 1931 die Gelegenheit hatte, Franz-Josef-Land zu besuchen. 

Frau Demme, […] schien das einzige Wesen zu sein, das im Laufe dieses einsamen Jahres Lust zum Schweigen bekommen hatte. Ihr braunes, ein wenig mongolisches Gesicht mit den dunklen Augen und dem kräftigen, von einer Narbe gezeichneten Mund, war reifer und nachdenklicher als das ihrer männlichen Kameraden. Sie trug die sandfarbene Wollbluse aller arktischer Jäger, aber über die herabhängende Kapuze fiel ihr Haar in einem dichten braunen Zopf, der unten mit einem roten Bändchen zusammengehalten wurde. Diese Frau wäre sicher sehr entrüstet gewesen, wenn man sie als Frau und nicht als Polarforscherin genommen hätte. […] Mit einem geradezu finsteren Ernst schien sie der Möglichkeit vorzubeugen, als eine hübsche Frau betrachtet zu werden. Um ihre Hüfte trug sie einen breiten Ledergürtel, an dem eine große Selbstladepistole baumelte.

Während der Überwinterung auf der Polarstation erforschte sie Besonderheiten von Tier- und Pflanzenwelt, beobachtete die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Elementen der geografischen Landschaft und studierte die speziellen Lebensverhältnisse der Überwinterer.

Am Ende des Überwinterungsjahres, im Sommer 1931, kündigte sich in dieser abgelegensten Region der Erde ein aufsehenerregendes Ereignis an. Ein Luftschiff, Graf Zeppelin, sollte auf seiner über viele Jahre vorbereiteten Forschungsfahrt direkt vor der Polarstation Buchta Tichaja niedergehen für ein Rendezvous mit dem Eisbrecher Malygin. Die mit internationalen Gästen besetzte Malygin erwartete das Luftschiff seit einigen Tagen in der Bucht.

Nina Demme auf Franz-Josef-Land 1930
Nina Demme auf Franz-Josef-Land 1930

Niemand von uns wird diesen Tag vergessen, nicht weil das Luftschiff kam, sondern weil er so schön war. Die Bucht lag wie verzaubert da, das Wasser war so still, daß man kaum zu atmen wagte, um die Reinheit dieser regungslosen Oberfläche nicht zu trüben.

Das kurze Rendezvous zwischen dem fliegenden und dem schwimmenden Schiff war nach 15 Minuten vorüber. Die Gäste der Malygin hatten am folgenden Tag Gelegenheit, mit Nina Demme einen Bootsausflug zu Gletschern und Kohlevorkommen zu unternehmen. Nina Demme meisterte alle ihr übertragenden Aufgaben während der Überwinterung mit Bravour. Im Folgejahr 1932 wurde für sie eine neue polare Premiere vorgeschlagen: Die Leitung einer Polarstation.

06

1932 Das Zweite Internationale Polarjahr

Während der Österreichisch-Ungarischen Nordpol-Expedition 1872–1874, war Franz-Josef-Land entdeckt worden. Einer ihrer Leiter, Carl Weyprecht, hatte die Notwendigkeit von systematischen Forschungsarbeiten in der Arktis erkannt Ein Netz aus Polarstationen, verteilt über das arktische Gebiet, müsste kontinuierlich Daten der verschiedenen polarwissenschaftlichen Disziplinen erfassen. So kam es nach der Gründung einer Internationalen Polarkommission zur Organisation eines ersten Internationalen Polarjahres 1882–1883. 

Fünfzig Jahre später begann das Zweite Internationale Polarjahr 1932–1933.

In dieser Zeit hatte die Erschließung des Nördlichen Seeweges für die Sowjetunion ganz praktische Bedeutung. Für den Warentransport über das riesige Territorium hinweg setzte man sich das große Ziel, die Nordostpassage zu nutzen. Wirtschaftlich wäre dies aber nur, wenn Schiffe in einer Navigation, d.h. ohne Überwinterung diesen Seeweg passieren könnten. Hierfür wiederum brauchte man regelmäßige und zuverlässige Wetter- und Eisbeobachtungen. Und diese wurden von der Vielzahl von Polarstationen im hohen Norden geliefert.

Die Station Buchta Tichaja wurde zu einem komplexen geophysikalischen Observatorium mit modernstem Gerät ausgebaut. Deren Leiter: Iwan Papanin, eben jener, der ein Jahr zuvor an genau dieser Stelle die Post auf der Malygin für den Austausch mit dem Luftschiff Graf Zeppelin verantwortet hatte.

Die Gruppe der Überwinterer während des II. Internationalen Polarjahres (II. IPY) (in der Mitte der Leiter Iwan Papanin)
Die Gruppe der Überwinterer während des II. Internationalen Polarjahres (II. IPY) (in der Mitte der Leiter Iwan Papanin)

Mehrere neue Häuser wurden errichtet. Es entstand auch ein Hangar für zwei Flugzeuge, die später für die Erkundungen im Archipel genutzt wurden, eine separate Funkstation, eine mechanische Werkstatt. Von der Station Buchta Tichaja aus errichtete man in diesem Winter auf der nördlichsten Insel von Franz-Josef-Land, der Rudolfinsel, eine weitere Station.

Die Polarstation während des II. IPY
Die Polarstation während des II. IPY

Insgesamt waren dort 32 Personen tätig – zwölf wissenschaftliche Mitarbeiter sowie etliche Laboranten, Assistenten und technische Kräfte.

Die zwanzig Überwinterer hatten ein umfangreiches Programm zu bewältigen: Sie erfassten alle vier Stunden Wetterdaten. Mittels neuartiger Radiosonden konnte die Lage der Tropopause – die Schicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre ermittelt werden, ebenso Höhe und Lage der Stratosphäre und deren Temperatur bis in die Höhe von 11,5 km. Erstmalig führte man aktinometrische Untersuchungen durch –  Wärme- und Strahlungsbilanzen unter arktischen Bedingungen. Und erstmalig forschte man in diesen Breiten zur atmosphärischen Elektrizität, daran war der Deutsche Joachim Scholz maßgeblich beteiligt. Auch die Arbeiten zur Ausbreitung von Funkwellen und damit der Ionosphäre waren neu.

Zusammen mit uns würde Joachim Scholz aus dem bekannten Observatorium in Potsdam arbeiten, ein deutscher Wissenschaftler, Fachmann auf dem Gebiet der Luftelektrizität.

Joachim Scholz (l.) und Jewgenij Fjodorow 1932
Joachim Scholz (l.) und Jewgenij Fjodorow 1932

Jeden Tag wechselten wir das Fotopapier im Registriergerät, entwickelten es und berechneten die Schwankungen des erdmagnetischen Feldes. Sehr oft wurde der ruhige Gang des magnetischen Feldes gestört, ein magnetischer Sturm hatte eingesetzt.

Gerät zur kontinuierliche Registrierung des elektrischen Potentialgradienten, das 1932 auf Buchta Tichaja genutzt wurde
Gerät zur kontinuierliche Registrierung des elektrischen Potentialgradienten, das 1932 auf Buchta Tichaja genutzt wurde
07

1934 – 1936 Die erste Ureinwohnerin und Rekordflüge

Nach mittlerweile fünf Jahren war in dem kleinen arktischen Dörfchen hoch im Norden Routine eingekehrt. Auf der Polarstation wurden nach den vorgegebenen Forschungsplänen die Daten erfasst und ans Festland gefunkt. In jedem Sommer legte ein Schiff an, brachte die nächste Überwinterungsmannschaft, neuen Proviant, verbesserte Messgeräte, Baumaterial für die Reparatur an den Hütten.

1934 übernahm Josef Bitrich die Station als Leiter. In seinem Bericht beschreibt er die große gegenseitige Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Disziplin aller Überwinterer. So entschieden sich dann  fünf weitere Personen mit ihm für eine weitere Überwinterung bis zum Sommer 1936. In diesen Jahren überwinterten insgesamt 60 Menschen auf der Polarstation Buchta Tichaja.

Die Gruppe der Überwinterer ab 1934
Die Gruppe der Überwinterer ab 1934

Mit der Gruppe kamen vier Frauen, eine davon war die Ehefrau Bitrichs, Jekaterina Simzowa.

Man hatte mich gewarnt, dass das Arbeiten mit Frauen unter polaren Bedingen schwer wäre. Mit den Erfahrungen aus der zweijährigen Überwinterung kann ich diese Vorurteile zurückweisen. Im Gegenteil, die Anwesenheit der Frauen half uns, auf Sauberkeit zu achten  und Kultur im Alltag zu bewahren. Alles spricht dafür, dass Frauen sich auf Augenhöhe mit den Männern in der Arktis bewegen.

Frauen auf der Polarstation, in der Mitte J. Simzowa
Frauen auf der Polarstation, in der Mitte J. Simzowa

Im Frühjahr 1935 warteten alle Überwinterer auf ein außergewöhnliches Ereignis – ein Kind sollte geboren werden! Am 27. April brachte Jekaterina Simzowa ein Mädchen zur Welt, der Stationsleiter wurde Vater.

Die Tochter erinnert sich viel später an folgende, von der Mutter wiedergegebene  Episode:

Wie auf jeder Polarstation gab es auch auf Buchta Tichaja einen Arzt. Als der Entbindungszeitpunkt absehbar war, ging dieser auf die Jagd. Auf die etwas ängstlichen Fragen der zukünftigen Mutter, die immerhin ihrer ersten Entbindung entgegensah, wie das denn alles funktionieren würde, gab er zur Antwort: ‚Das geht schon alles von allein, das Kind kommt da raus, wo es herauskommen soll.‘ Als der Arzt zurück kehrte, ist die erste Ureinwohnerin des Archipels glücklich geboren.

Die Namensgebung des Mädchens war eine Angelegenheit des gesamten Kollektivs. Eine Gruppe Überwinterer tagte. Für dieses besondere Kind sollte es ein besonderer Name sein! Es wurden kreative Namensideen gesammelt. Alle hatten etwas mit der Arktis zu tun. In der ausgestellten Urkunde findet man folgende Vorschläge:

  • Poljarina – abgeleitet vom russischen ‘Poljarnik‘ – Polarforscher
  • Gukernaja – die Hookerinsel heißt auf russisch ‚Ostrow Gukera‘
  • Nordlina – abgeleitet von Nord
  • Poljarissa – abgeleitet vom russischen ‘Poljarnik‘ – Polarforscher
  • Arktina – abgeleitet vom russischen ‘Arktika‘ – die Arktis
  • Pomossina – möglicherweise abgeleitet von den ‚Pomoren‘, Bewohner der Küsten des Weißen Meeres
  • Barenza – abgeleitet von Barents / die Barentssee,  an die Franz-Josef-Land grenzt
  • Sefika – abgeleitet von der russischen Abkürzung für Franz-Josef-Land – Semlja    Franza-Josifa SFI
  • Basaltina – abgeleitet von Basalt, Basaltfelsen prägen die Landschaft
  • Ledoksana – abgeleitet vom russischen ‚Ledokol‘ – Eisbrecher
  • Sewerina – abgeleitet vom russischen ‚Sewer‘ – der Norden
Namensurkunde für das erste Neugeborene auf Franz-Josef-Land
Namensurkunde für das erste Neugeborene auf Franz-Josef-Land

Die Mehrheit der Anwesenden entschied sich für den Namen ‚Sewerina‘.

Sewerina wurde der Liebling der gesamten Station. So erzählt es nicht nur später ihre Tochter, sondern so ist auch in den Erinnerungen des Polarfliegers Michail Wodopjanow nachzulesen, der im Mai 1936 auf der Station zwischenlandete.

Die kleine Sewerina auf der Polarstation Buchta Tichaja
Die kleine Sewerina auf der Polarstation Buchta Tichaja

Das kräftige, pausbäckige Mädchen ist der Liebling der ganzen Station. Wenige Tage nach unserer Ankunft wuchs die überwinternde Bevölkerung um eine weitere Person: Genossen Bitrich wurde ein Sohn geboren. Dieses freudige Ereignis erregte die gesamte Gemeinschaft der Siedlung. Mehrere Tage lang diskutierten wir mit Begeisterung darüber, welchen Namen wir diesem jüngsten Polarforscher der Welt geben sollten. Ich schlug vor, ihn auf den Namen ‚Eisberg‘ zu taufen. Der Vorschlag wurde einstimmig abgelehnt. Vor unserem Abflug war diese schwierige Frage noch nicht gelöst worden …

Der Junge erhielt in einer ähnlichen Prozedur wie ein Jahr zuvor bei seiner Schwester den Namen ‚Rodwark‘ – die Abkürzung von ‚rodilsja w Arktike‘ – ‚in der Arktis geboren‘.

Kinderbett auf der aufgegebenen Polarstation
Kinderbett auf der aufgegebenen Polarstation

Als Michail Wodopjanow und der zweite Polarflieger Machotkin am 21. April 1936 vor der Polarstation landeten, hatten sie erfolgreich einen Auftrag erfüllt und einen Rekord gebrochen. Beide waren von Moskau aus aufgebrochen, um den nördlichsten Punkt Franz-Josef-Lands zu erreichen. Dabei ging es nicht um Rekorde, sondern um die umfassende Eisaufklärung in der Barentssee und den Gewässern um Franz-Josef-Land. Noch niemals vorher hatte ein Flugzeug Nowaja Semlja und die Barentssee überquert und diesen nördlichsten Archipel erreicht. Beide bereiteten mit ihrem Flug die legendäre Expedition im Folgejahr vor, als erstmalig eine Driftstation am Nordpol eröffnet wurde.

Nach einigen Tagen auf der Station und Reparaturen an den Flugzeugen brach Wodopjanow nochmals für Überflüge über Franz-Josef-Land auf. Dabei erreichte seine Maschine die Rudolfinsel, und landete dort. Wodopjanow erkundete die Brauchbarkeit des Geländes, eine Start- und Landebahn anzulegen, von der aus im Folgejahr der Start zum Nordpol erfolgen sollte.

Der Polarflieger Machotkin nach der Landung auf der Polarstation
Der Polarflieger Machotkin nach der Landung auf der Polarstation

Aber auch die Station selbst verfügte mittlerweile über zwei kleinere Erkundungsflugzeuge und einen Flugzeughangar. Der Pilot Wolosjuk, einer der Überwinterer, unternahm etwa fünfzig Flüge über den Archipel und war insgesamt einhundertsechzig Stunden in der Luft. Das Hauptziel dieser Flüge war die Vermessung der Meereisbedeckung im Gebiet von Franz-Josef-Land; während der Flüge konnten auch einige Korrekturen an der Karte des Archipels vorgenommen werden.  

Flugzeugreste auf der aufgegebenen Polarstation Buchta Tichaja
Flugzeugreste auf der aufgegebenen Polarstation Buchta Tichaja
08

1937 Gefangene im Eis

Die arktische Schifffahrt begann im Jahr 1937 sehr zeitig. Die Sadko erreichte Franz-Josef-Land schon am 22. Juni. Aber es gab auch sehr spät im Jahr den Versuch von zwei Versorgungsschiffen, den Archipel zu erreichen. Die Proletarier verließ Archangelsk erst am 28. September, die Roshal gar erst am 5. Oktober. Beide hatten in ihren Laderäumen Treibstoff und Ersatzteile für die Suchgruppe nach eine verschollenen Flugexpedition. Beide blieben im Eis stecken. Der Eisbrecher Russanow eilte zu Hilfe und konnte beide Schiffe am 16. Oktober bis zur Polarstation Buchta Tichaja bringen.

Allerdings war es nun der Rusanow selbst nicht mehr möglich, die Polarstation wegen schwerem Eis zu verlassen. Man schickte den bewährten Eisbrecher Ermak. Am 17. November befand sich der Eisbrecher in schwerem Eis bei 79°38′ nördlicher Breite und 44°10′ östlicher Länge. Bis zum 28. November unternahm die Ermak Versuche, nach Franz-Josef-Land zu gelangen, die jedoch allesamt erfolglos blieben, so dass der Eisbrecher nach Murmansk zurückkehren musste.

Erzwungenermaßen mussten nun fast 300 Menschen auf Franz-Josef-Land überwintern, davon allein fast 100 auf der Polarstation Buchta Tichaja.

Erst im kommenden Mai 1938 gelang es der Ermak, die Überwinterer zurückzuholen.

Die Dampfer Roschal, Rusanow und Proletarier bei der erzwungenen Überwinterung vor der Polarstation Buchta Tichaja, Frühjar 1938.
Die Dampfer Roschal, Rusanow und Proletarier bei der erzwungenen Überwinterung vor der Polarstation Buchta Tichaja, Frühjar 1938.
09

1940 – 1945 Allein

Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. Der Nachschub für die Überwinterer auf den Polarstationen war stark beeinträchtigt. Drohende Luftangriffe gefährdeten die Seewege. Außerdem wurden  Schiffe nun für Patrouillen und Kampfeinsätze eingesetzt.

Auf Franz-Josef-Land blieb nur eine Station in Betrieb. Buchta Tichaja sendete ohne Unterbrechung meteorologische Daten zum Festland, das war von unschätzbarem Wert für die Versorgungsschiffe und Luftoperationen entlang des Nördlichen Seeweges.

Einige Bewohner konnten bei der Evakuierung der Station auf der Rudolf-Insel 1941 zum Festland zurückkehren. Für die anderen begann eine unvorstellbar schwere Zeit. Dass es bis zur Ablösung diesmal fünf lange Jahre dauern sollte, konnte niemand ahnen. Wegen des fehlenden Heizmaterials zog man auf engsten Raum zusammen, heizte nur noch die notwendigsten Hütten mit den Forschungsgeräten.  

Die Polarstation zu Beginn der 1940er Jahre
Die Polarstation zu Beginn der 1940er Jahre

Bei der Reparatur der wissenschaftlichen Geräte musste immer wieder improvisiert werden. Im Laufe der Zeit wurden Hütten zerlegt und als Heizmaterial verwendet. Kritisch wurde auch die Versorgung. Der Proviant für die Überwinterer war zwar immer so bemessen, dass er in der Regel noch für ein weiteres Jahr reichte. Aber nun wurden auf der Station strenge Rationierungsregeln eingeführt.

Das Observatorium für geomagnetische Arbeiten 1941
Das Observatorium für geomagnetische Arbeiten 1941

Darüber kann man in den Aufzeichnungen der Wissenschaftler lesen. Zu ihnen gehörte der Erdmagnetiker Wladimir A. Uspenski, einer der stillen Helden dieser Zeit. Er war seit 1940 auf der Station tätig und sollte eigentlich aus Gesundheitsgründen die Station so bald als möglich verlassen. Jedoch versah er seinen Dienst bis zum Ende des Krieges. Aus diesen Berichten ist auch bekannt, dass er an einer Stützsäule des Magnetobservatoriums eine Nivellierungsmarke anbrachte. Diese ist heute noch zu finden.

Erst im Juli 1945 erreichte der Eisbrecher J. Stalin die Station und nahm sechs Überwinterer an Bord. Die restlichen blieben für eine sechste Überwinterung.

Nivellierungsmarke am Magnetobservatorium, angebracht von Wladimir A. Uspenski wärend der Kriegsjahre
Nivellierungsmarke am Magnetobservatorium, angebracht von Wladimir A. Uspenski wärend der Kriegsjahre
Das Observatorium für geomagnetische Arbeiten auf der aufgegebenen Polarstation
Das Observatorium für geomagnetische Arbeiten auf der aufgegebenen Polarstation
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1947 Expedition A-70 AANII 

Am Ende des vierten Jahrzehnts im 20. Jahrhundert begann eine neue Art der Arktisforschung auf Franz-Josef-Land. Als 1947 mit dem Eisbrecher Georgi Sedow die neue Mannschaft auf der Polarstation Buchta Tichaja eintraf, ging eine eigene glaziologische Abteilung A-70 an Land. Mit Hundeschlitten zogen sie ihre Ausrüstung weiter auf den Berg Čiurlionis und richteten auf dessen Gletscher, der von der gleichnamigen Eiskuppel bedeckt ist, ein Laboratorium ein.

Wohnhaus der Expedition A-70 auf der Kuppel Ciurlionis
Wohnhaus der Expedition A-70 auf der Kuppel Ciurlionis

Die merkwürdige Namensgebung geht auf den Polarforscher und Künstler Nikolai Pinegin zurück. Er überwinterte 1913 mit der Expedition Georgi Sedows. Nicht verbürgt, aber vermutet wird, dass es genau ein Gemälde Ciurlionis war, das Pinegin zu seinen Erinnerungen inspirierte: 

An nebligen Tagen, wenn wir diese Landzungen sahen, ähnelten sie den Visionen des Fantasiemalers Čiurlionis.

Ramybi (Stille) - Mikulajus Ciurlionis
Ramybi (Stille) - Mikulajus Ciurlionis

Neben der wissenschaftlichen Station entstand eine Flugbasis auf dem Eis. Hier sollte die Möglichkeit für Landungen des Flugzeugtyps Li-2 getestet werden.

Flugzeug Li-2 der Polarflotte
Flugzeug Li-2 der Polarflotte

Das Programm für glaziologischen Arbeiten entwarfen Wissenschaftler des Arktis-und Antarktis-Forschungsinstituts in Leningrad. In den Folgejahre gelangen bedeutende wissenschaftliche Leistungen zu Theorien über Eisformationen und Schneebedeckungen. In den späteren Jahren wurde ein Laboratorium 15 Meter unter dem Eis eingerichtet und bei relativ konstanten Temperaturen von -10° C Kernproben von Bohrlöchern des Gletschers entnommen. In den 1950er Jahren konnten die Wissenschaftler erstmalig die Bewegungen der Eiskappen der Gletscher messen.  

Karte der Hooker-Insel mit Polarstation Buchta Tichaja und Eiskuppel Ciurlionis
Karte der Hooker-Insel mit Polarstation Buchta Tichaja und Eiskuppel Ciurlionis
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1959 – 1960 Ende

Nach dreißig Jahren intensiver Forschungsarbeit, unvorhergesehener Zwischenfälle, überstandenen Kriegsjahren und einiger neugeborener Kinder wurde die Hauptstadt des Archipels Franz-Josef-Land, Buchta Tichaja geschlossen. Man befand, dass die klimatischen Verhältnisse nicht ganz typisch für den Archipel, nämlich etwas zu warm seien und verlagerte die Arbeiten nun auf die Hayes-Insel.

Überwinterungsgruppe mit drei während der Überwinterungen geborenen Kindern 1936
Überwinterungsgruppe mit drei während der Überwinterungen geborenen Kindern 1936

Leseempfehlung

Ernst Krenkel: Mein Rufzeichen ist RAEM. Berlin, Verlag Neues Leben, 1977.Michail Murow: Zapiski polyarnika. Leningrad, Leninizdat, 1971 .Michail Wodopjanow: Polety. Leningrad, Glavsewmorputi, 1937.D.M. Kiselev: Polyarnaya Stantsiya Buchta Tikhaya v gody velikoy otechestvoy voyny. Za polyarnym krugom.

Alle Public Domain, außer:
Sedow – aus: https://kulturamgo.ru/kalendar-sobytij/prazdniki-i-pamyatnye-daty/2628-13-yanvarya-1940-goda-ledokol-iosif-stalin-osvobodil-iz-812-dnevnogo-ledovogo-plena-ledokolnyj-parokhod-georgij-sedov
Überwinterer 1929 – aus: E. Krenkel. Mein Rufzeichen ist RAEM
Am Kap Flora – aus: Murow. Zapiski polyarnika. Leningrad, Lenisdat, 1971.
Setzen Flagge / Leiter der Expedition / Weg der Sedow / Hütteneingang / Im Inneren / Collage Arktis – Antarktis – aus: Zeitschrift SSSR na stroyke 9 / 1933
Arzt – aus: Zeitschrift Ogonjok Nr. 40.
Krenkel – Foto von M. S. Nappelbaum .
Funkprotokoll – aus: https://archive.radio.ru/web/1972/08/013/.
Überwinterer – aus: Fond Russisches Staatliches Museum für Arktis und Antarktis St. Petersburg
Nina Demme – aus: https://dzen.ru/a/XOVaIzvfEgC04NvT
Stille Bucht 1931 – aus: Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig.
Polarstation / Überwinterer 1932 / Messgerät 1932 – aus: Andreev, A., Dukalskaya, M. und Frolov, S. Mezhdunarodnyi Polyarnyi god – Istoriya i Perspektivy. St. Petersburg, AANI, 2007.
Scholz und Fjodorow – aus: J. Fjodorow. Aus meinen Polartagebüchern. Leipzig – Moskau, VEB F. A. Brockhaus Verlag – Progress, 1979.
Überwinterer ab 1934 / Sewerina / Namensurkunde / Polarflieger Machotkin / Polarflieger Wodopjanow / Überwinterer 1936 – aus: Privates Fotoarchiv der Familie Bitrich
Drei Schiffe vor Buchta Tichaja 1938 – Fotograf N.W.Chodejew
Station zu Beginn der 1940er / Observatorium 1941 – aus: Otchet polyarnoy geofosychskoy observatorii i radiostantsii Bukhta Tikhaya za 1940 – 41 g., St. Petersburg, Archiv AANI.
Flugzeug Li-2 – aus: https://dzen.ru/a/Xty9rnhK6316lFLm.
Eingang ins Laboratorium – aus: Predvaritel’nyy nauchno-tekhnicheskiy otchet po ekspeditsii A-70 ANII za 1950/51 g. (B . Tikhaya, Ostrov Gukera , Zemlya frantsa Iosifa), Archiv AANI, 1953.
Fotografie: B. Schennerlein

Fridtjof Nansen
Polarforscher und Friedensnobelpreisträger